Auf Social Media sind sie euch bestimmt schon einmal begegnet: die Rehe von Nara. Die Sikahirsche gelten in der japanischen Stadt als heilige Boten der Götter und laufen frei herum. Dank der vielen Touristen, die hier jährlich nicht nur die Tempel besuchen, sondern auch die Rehe mit Crackern füttern, sind sie mittlerweile mehr oder weniger zahm. Und verbeugen sich gerne auch mal, um einen Cracker von euch zu bekommen. Ich war 2025 vor Ort und habe genau das ausprobiert. In diesem Beitrag teile ich meine Tipps für einen Besuch in Nara mit euch!
Ein Besuch in Nara – mehr als nur Sikahirsche
Während viele Menschen vor allem für die Sikahirsche nach Nara kommen, hat die Stadt östlich von Osaka noch viel mehr zu bieten. Die Stadt hat unglaublich viele, gut erhaltene und sehr alte Tempel, die auf jeden Fall einen Besuch wert sind. Entsprechend macht es Sinn, genug Zeit für den Besuch einzuplanen – am besten einen kompletten Tag. So habt ihr genug Zeit, die verschiedenen Tempel anzuschauen, ein wenig durch den Park der Stadt zu spazieren und gleichzeitig die heiligen Rehe zu füttern und zu streicheln.
Anreise
Wenn ihr kein Hotel in Nara gebucht habt, sondern nur für einen Tag aus Osaka oder Kyoto kommen möchtet, könnt ihr am besten mit dem Zug anreisen. Der beste Ausgangspunkt in Nara selbst ist der Kintetsu-Nara Bahnhof, der sich in der Nähe des Nara Parks befindet. Da es sich nicht um einen Shinkansen handelt, braucht ihr die Tickets auch nicht vorher zu kaufen – ich habe das auch ganz einfach direkt am Bahnhof gemacht. Wenn ihr von Osaka aus fahrt, nehmt ihr einfach den Kintetsu Nara Line Rapid Express an der Osaka-Namba Station und seid in etwa 40 Minuten in Nara. Von Kyoto aus könnt ihr am besten die Kintetsu Line nehmen.
Tempel
Nara hat, wie die meisten japanischen Städte, unglaublich viele Tempel. Niemand würde es schaffen, sie alle an einem einzigen Tag zu besuchen, deswegen konzentrieren die meisten Touristen sich auf eine kleine Auswahl. Am bekanntesten sind sieben alte Tempel, die gemeinsam mit einem Wald als die Historischen Monumente von Nara bekannt sind. Ein Teil dieser Tempel liegt im und um den Nara Park, wo man auch die meisten Rehe oder Sikahirsche beobachten und füttern kann. Ich habe mich darum bei meinem Besuch dazu entschieden, mich auf diese Sehenswürdigkeiten zu konzentrieren und mir für die einzelnen Besuche Zeit zu lassen, statt durch Nara zu rennen und alles nur kurz anschauen zu können. Welche Sehenswürdigkeiten ihr dabei auswählt, ist aber natürlich euren Interessen überlassen. Ich habe die sieben großen Tempel von Nara einmal hier für euch zusammengefasst.
Die sieben großen Tempel von Nara
- Tōdai-ji
Tōdai-ji war der erste Tempel, den ich mir in Nara angeschaut habe – und wenn ich ehrlich bin, auch der beeindruckendste. Der Tempelkomplex stammt aus dem 8. Jahrhundert und das Hauptgebäude, die Halle des großen Buddha, ist eines der größten Holzgebäude der Welt. Und alleine dafür lohnt sich der Besuch auf jeden Fall! Denn im innern steht die größte Buddha Statue in ganz Japan. Die Halle ist nicht besonders gut beleuchtet, beeindruckend ist die Statue aber trotzdem. Nur zum Fotografieren ist es nicht ideal, denn es ist natürlich nicht erlaubt, mit Blitz zu fotografieren. In der Halle bekommt ihr auch ein Goshuin für euer Buch, wenn ihr möchtet. Ich war in Japan in echt vielen Tempeln und habe mir fast überall ein Goshuin geholt, hier war der einzige Ort, an dem ich ein Foto machen durfte, während das Goshuin gemalt wurde. Auch ziemlich cool!- Location: Nara Park, ca. 15 Minuten laufen vom Kintetsu-Nara Bahnhof entfernt
- Eintrittspreis: 800 ¥

- Kōfuku-ji
Auch Kōfuku-ji gehört zu den sieben großen Tempeln von Nara – und hat eine Besonderheit. Nach der ursprünglichen Errichtung im 7. Jahrhundert wurde der Tempel nämlich nicht nur einmal, sondern sogar zwei Mal komplett ab- und an einem anderen Ort wieder aufgebaut. Ursprünglich wurde der Tempel nämlich in Yamashina errichtet, drei Jahre später aber bereits nach Fujiwara-kyō gebracht. Aber auch da sollte er aus irgendeinem Grund nicht bleiben, und wurde gut 35 Jahre später nach Nara gebracht. In den Jahren danach wurde der Tempel während verschiedener Auseinandersetzungen und durch Feuer mehrmals teilweise zerstört, und jedes Mal wieder aufgebaut – wenn auch nicht ganz. Ein Teil der Gebäude, die zum ursprünglichen Tempelkomplex gehörten, fehlen heute. Mit diesen 1.300 Jahren an bewegter Geschichte, gehört Kōfuku-ji zu den ältesten Tempeln Japans. Neben der zentralen Golden Hall gibt es u.a. zwei Pagoden, die ihr heute besichtigen könnt.- Location: Nara Park, ca. 3 Minuten laufen vom Kintetsu-Nara Bahnhof entfernt
- Eintrittspreis: 900 ¥
- Kasuga-taisha
Kasuga-taisha ist ein Shinto-Schrein, der, genau wie Tōdai-ji im 8. Jahrhundert gebaut wurde. Bekannt ist der Schrein vor allem für die vielen Steinlaternen auf dem Weg zum Gebäude, aber auch für die Bronzelaternen im inneren. Das praktische: der Tempel befindet sich quasi direkt neben einer weiteren Sehenswürdigkeit, dem sehr Kasugayama-Urwald, der zusammen mit den sieben Tempeln zu den 8 Historischen Monumenten von Nara zählt. Falls ihr die Sikahirsche auf dem Weg zu den andern Tempeln noch nicht gesehen habt, trefft ihr sie hier auf jeden Fall: gerade der Weg zu Kasuga-taisha ist einer der besten Spots, um Rehe zu beobachten und zu füttern. Ich muss sagen, dass es mir hier persönlich fast ein bisschen zu voll war, und ich mich den Tieren lieber an einer anderen Stelle im Park genähert habe. Am Kasuga-taisha ist aber auch das Bild ganz oben im Blogpost entstanden, eines meiner Lieblinsgbilder vom Tag in Nara.- Location: Nara Park, ca. 10 Minuten laufen vom Kintetsu-Nara Bahnhof entfernt
- Eintrittspreis: 700 ¥

- Gango-ji
Auch Gango-ji gehört zu den sieben großen Tempeln in Nara, ist aber der erste auf dieser Liste, der sich nicht im Nara Park befindet, sondern in der Altstadt Naramachi. Ich bin zwar kurz dort gewesen, habe mich aber letztendlich gegen eine Besichtigung entschieden, da ich mich auf die Gebäude im Nara Park konzentrieren wollte. Gango-ji muss einmal ein beeindruckender Komplex gewesen sein, im Laufe der Zeit ist der Tempel aus dem 7. Jahrhundert aber in Teilen zerfallen. Heute gibt es zwar noch diverse Modelle davon, wie der Tempel einmal ausgesehen hat. Zu sehen sind aber vor allem Ruinen, wie zum Beispiel die Sockel der ehemaligen Pagode. Neben den verbliebenen Gebäuden des Tempels könnt ihr hier Buddhas Fußabdruck und die ‚Weinende Laterne‘ besichtigen.- Location: Naramachi, ca. 15 Minuten laufen vom Kintetsu-Nara Bahnhof entfernt
- Eintrittspreis: 500 ¥
- Yakushi-ji
Yakushi-ji ist einer der bekanntesten buddhistischen Tempel in ganz Japan. Auch dieser Tempel wurde ursprünglich in einem anderen Ort gebaut und mit der Verlegung der japanischen Hauptstadt nach Nara (710) hier wieder aufgebaut. Allerdings ist nicht ganz klar, welche Gebäude noch vom ursprünglichen Tempel stammen, denn Yakushi-ji hat sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Die letzten Gebäude wurden sogar erst in den 80er-Jahren wiederaufgebaut. Leider liegt Yakushi-ji im Vergleich zu den anderen Tempeln weit außerhalb, nämlich mitten in der Stadt und zu Fuß über eine Stunde vom Rest der Tempel entfernt. Darum habe ich mich dazu entschieden, mir diesen Tempel nicht anzuschauen – das wäre aber auch einfach zu viel geworden für einen Tag in Nara. Ihr könnt aber auch einfach mit dem Zug hinfahren – dann ist es nur etwa eine halbe Stunde laut Google Maps.- Location: Nishinokyo, ca. 1 Stunde und 20 Minuten laufen vom Kintetsu-Nara Bahnhof entfernt; ca. 30 Minuten mit dem Zug
- Eintrittspreis: 1.000 ¥
- Tōshōdai-ji
Tōshōdai-ji ist vor allem für seine Architektur bekannt – die ist nämlich ein klassisches Beispiel für die Bauweise der Tempyō-Zeit. Im Tempel befinden sich viele Kunstschätze, die man sich beim Besuch anschauen kann. Allerdings liegt Tōshōdai-ji ähnlich wie Yakushi-ji relativ weit vom Nara Park entfernt und ist darum nicht ganz so leicht zu erreichen, wie der Rest. Für mich war das Grund genug, mir den Tempel nicht anzuschauen – gerade weil keiner der Kunstschätze mich vorab so beeindruckt hat wie die Buddha Statue bei Tōdai-ji. Außerdem kann man mitten in der Stadt vermutlich weniger gut Sikahirsche sehen und füttern, was für mich ein weiterer Grund war, mir diesen Umweg zu sparen. Entsprechend kann ich leider wenig zu Tōshōdai-ji sagen.- Location: Nara Stadt, ca. 1 Stunden laufen oder 40 Minuten mit dem Zug vom Kintetsu-Nara Bahnhof entfernt
- Eintrittspreis: 1.000 ¥
- Heijō Palast
Der letzte der sieben großen Tempel von Nara ist der Heijō Palast im gleichnamigen Park – also auch nicht im Nara Park. Dafür sieht man ihn aber bei gutem Wetter aus dem Zug, wenn man mit der Kintetsu Nara Linie reist. Der Palast war die Residenz des japanischen Kaisers, als Nara noch die Hauptstadt des Landes (damals Heijō-kyō) war. Das Gelände besteht aus mehreren Gebäuden, von denen einige administrativ (also zum Beispiel als Ministerien) und andere zeremoniell genutzt wurden. Mitten in dem Komplex gibt es dann noch den Inneren Palast, in dem damals der Kaiser gelebt hat. Insgesamt ist der Palast so groß, dass ich beim Blick auf die Karte das Gefühl habe, dass man hier gut und gerne einen ganzen Tag verbringen kann. In Kombination mit der Location des Palasts schafft man so einen Besuch eigentlich nicht, wenn man nur für einen einzigen Tag nach Nara fährt. Dafür ist der Heijō Park gratis und ohne Tickets zugänglich, genau wie einige der rekonstruierten Gebäude. Auch das Museum ist zu den Öffnungszeiten frei zugänglich.- Location: Heijō Park, ca. 45 Minuten laufen vom Kintetsu-Nara Bahnhof entfernt
- Eintrittspreis: gratis
Das waren sie, die sieben großen Tempel von Nara – wie hier beschrieben habe ich mich bei meinem Besuch aber bewusst auf die drei Tempel im Nara Park konzentriert. Mir wäre der Tag ansonsten viel zu voll und anstrengend geworden, und ich wollte unbedingt auch ein bisschen durch den Park spazieren können, ohne von einem Tempel zum nächsten zu hetzen. Denn genau hier, also im Nara Park, habt ihr die größten Chancen, ein paar Sikahirsche zu beobachten. Statt also die anderen vier Tempel des UNESCO Welterbes zu besuchen, habe ich dann noch Nigatsu-do besucht. Offiziell gehört das Gebäude zum Tōdai-ji, ist aber etwa 600 Meter vom Hauptgebäude entfernt. Da sich dieser Teil auf einem Hügel befindet, habt ihr von hier aus eine wunderbare Aussicht!
Die Sikahirsche von Nara
Viele Touristen kommen mittlerweile nicht mehr (nur) für die vielen, bedeutungsvollen Tempel nach Nara, sondern vor allem für die Sikahirsche. So heißen die heiligen und teilweise zahmen Rehe, die überall im Nara Park frei herumlaufen. Gerade auf Social Media sind die Tiere beliebt, da sie typisch japanische Manieren zu haben scheinen: nähert man sich einem der Rehe, verbeugt es sich, um einen Cracker (oder generell etwas zu Essen) zu bekommen. Ziemlich süß auf jeden Fall! Bitte beachtet bei eurem Besuch aber ein paar Dinge:
- Sikahirsche sind wilde Tiere, auch, wenn sie zahm erscheinen. Gerade Muttertiere mit Kitzen können sehr beschützend gegenüber Menschen sein, und auch Hirsche sind in der Paarungszeit gerne mal etwas aggressiver. Behaltet deswegen immer im Hinterkopf, dass es sich um wilde Tiere handelt und begegnet den Rehen mit passendem Respekt. Sollte sich eines der Tiere ruhig verhalten, könnt ihr es aber ohne Probleme streicheln oder füttern.
- Die Rehe in Nara wissen genau, dass die meisten Menschen Cracker für sie dabeihaben. Gerade die Tiere, die sich in der Nähe der Verkaufsstellen für die Cracker aufhalten, wissen genau, wie sie an Essen kommen müssen. Sie verbeugen sich nicht ohne Grund, sondern, weil sie gerne etwas davon haben wollen. Wenn ihr mit den Crackern in der Hand rumläuft, solltet ihr euch nicht wundern, wenn ein Reh aufdringlich wird – schaut euch dazu auch gerne mal ein paar Reels oder TikToks an. Ich war mit Sicherheit nicht die einzige Touristin, die von einem Reh in den Hintern gebissen wurde, als ich nicht mit den Crackern rausrücken wollte. Nach dem Vorfall habe ich den Rest einfach tief in meiner Tasche verstaut und erst an einer ruhigeren Stelle wieder herausgeholt. Da waren die Sikahirsche deutlich ruhiger und haben sich ganz entspannt füttern lassen…
- Eigentlich hoffe ich, dass es selbstverständlich ist, aber zur Sicherheit trotzdem: füttert die Sikahirsche bitte nicht mit irgendwas, das ihr zufällig dabei habt. Am Eingang zum Nara Park (wenn ihr vom Kintetsu-Nara Bahnhof aus lauft) gibt es mehrere Verkaufsstände. Kauft euch einfach eine Tüte, verstaut sie schnell in eurer Tasche (siehe vorheriger Punkt) und verfüttert sie im Laufe des Tages an die Rehe. Lasst euch aber nicht täuschen: den Tieren ist es erstmal egal, was für Lebensmittel ihr in der Hand haltet. Ich wurde auch für ein Softeis mit Matcha-Geschmack von einem Reh verfolgt, das zum Glück nicht aggressiv wurde, als ich ihm nichts davon abgegeben habe. Passt also auf, wenn ihr etwas zu Essen in der Hand habt, sonst seid ihr es schnell los.
- Lasst Rehe, die etwas abseits liegen oder weglaufen bitte in Ruhe. Ich habe einige Touristen gesehen, die den Tieren hinterhergelaufen sind (teilweise mit einem Cracker in der ausgestreckten Hand), obwohl eindeutig war, dass das Reh gerade keinen Hunger hatte und seine Ruhe will. Nara hat sich in den letzten Jahren zu einem Hotspot für Touristen in Japan entwickelt, und ich kann mir vorstellen, dass es jedem Sikahirsch irgendwann zu viel wird. In Japan gelten die Sikahirsche als heilige Boten der Götter und entsprechend sollte man sie als Besucher auch mit Respekt behandeln (mal ganz abgesehen davon, dass man allgemein Respekt vor Wildtieren haben sollte).

Das waren meine persönlichen Tipps für einen Besuch in Nara! Habt ihr noch Tipps, die ich hier vergessen habe? Dann lasst mir doch gerne einen Kommentar da!

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